Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster

[Review] Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster

Was passiert, wenn man ein JRPG mit Pokémon Elementen, einem okkulten Hintergrund und einen unbarmherzigen Schwierigkeitsgrad mischt? Die einzelnen Bausteine hören sich zwar komisch an, doch wenn man die Shin Megami Tensei Reihe betrachtet, sind es genau diese Zutaten die diese Spiele ausmachen. Es ist nun rund 16 Jahre her, seit Shin Megami Tensei III: Lucifers Call seine Premiere in Europa gefeiert hat. In Windeseile hat es einen enormen Erfolg gefeiert und eine Fanbase aufgebaut. In diesem Jahr hat ATLUS Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster veröffentlicht. Diese Version hat neben einer aufpolierte Grafik und Sprachausgabe auch die DLCs die nur in Japan veröffentlicht worden sind. Ob das fast zwanzig Jahre alte Spiel auch heute noch erfolgreich sein kann, klären wir im Test!

Alleingelassen in der neuen Welt

Ihr spielt einen jungen Schüler der in Tokio lebt. Seit geraumer Zeit ist eine Sekte aktiv, die das Ende der Welt prophezeit. Um ihre Aussagen kund zu tun, scheuen sie sich nicht auch Waffengewalt einzusetzen. So kam es vor einiger Zeit zu Ausschreitungen, wo mehrere Menschen starben. 

Der junge Schüler macht sich aus den derzeitigen Situationen nicht viel und lebt sein normales Leben. Um seine schulischen Leistungen zu besprechen, ist er auf der Suche nach seiner Klassenlehrerin, doch er kann sie nirgendwo finden. Er erfährt, dass sie verschwunden ist, aber sie öfters in der Nähe eines verlassenen Krankenhauses gesichtet worden ist. So macht er sich auf den Weg sie zu finden. Dort angekommen trifft der Protagonist zwei seiner Freunde, die ihm bei seinem Vorhaben unterstützen wollen. Im Keller des Krankenhauses angekommen, öffnet er einen Raum, wo eine dunkle Gestalt sitzt. Diese erklärt dem Jungen mit ruhiger Stimme, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht und die “Konzeption”, die neu Erschaffung der Erde, eintreten wird. Alle die in diesem Krankenhaus sind werden die Auslöschung überleben, nur der Schüler wird nun durch die Hand eines Dämonen fallen. So beschwört die Person ein nie dagewesenes Wesen, doch bevor es zum finalen Hieb ansetzt, tauch die Klassenlehrerin des Protagonisten auf. Sie ist dafür verantwortlich, dass dem Jungen nichts passiert und erklärt ihm, dass die “Konzeption” war sein und kurz bevorsteht. Kaum hat sie den Satz ausgesprochen fängt die Erde zum Beben an und die Welt wird komplett ausgelöscht und alles wird schwarz…

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Die „Konzeption“ steht kurz bevor

Als der Junge wieder aufwacht merkt er, dass nichts mehr ist wie es einmal war. Die Welt ist übersät mit Monstern und Dämonen, wo der Grundsatz des Stärkeren herrscht. Auch ist der Protagonist kein Mensch mehr, er ist ein Dämon geworden. Bald stellt sich heraus, dass er dafür verantwortlich sein wird wie sich die Welt entwickelt. Entscheidet er sich den Weg der Brutalität einzuschlagen, oder die Welt zu einen und zu einem besseren Ort zu machen? Alle Entscheidungen die er treffen wird, müssen wohl überlegt werden und der Unterschied zwischen Feinden und Freunden ist nicht einfach zu erkennen…

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Ganz alleine in einer postapokalyptischen Welt

Gnadenlose Feinde und neue Features

Als neue Dämon in der Welt, muss der Protagonist seine Umgebung erst kennen lernen. So wird er auf seiner Reise schnell merken, dass die Welt in Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster voller Gefahren steckt. Das der Schwierigkeitsgrad enorm fordernd ist, sieht man schon zum Beginn des Spieles. Schon die Anfangsmonster haben Fähigkeiten, die den Protagonisten mit nur einem Schlag vernichten können. Deswegen ist es unumgänglich schnell und viel zu grinden. 

Glücklicherweise haben die Entwickler genau dieses “Problem” erkannt und haben den neuen Schwierigkeitsgrad “Gnädig” eingefügt. Damit werden die Kämpfe ein gutes Stück einfacher und das Spiel gemütlicher.

Eine weitere Neuerung der HD Remaster-Version ist die neue Sprachausgabe. Dabei wurden alle Zwischensequenzen und besondere Stellen im Spiel wahlweise in japanisch und englisch synchronisiert. Beide Versionen lassen nichts zu Wünschen übrig, denn die Sprecher machen einen guten Job.

Weiters ist das “Maniax-Paket” als DLC erwerbbar. Dabei wird Dante, der als Charakter auftaucht, mit Raidou Kuzonoah ausgetauscht. Er bekommt dadurch einen eigenen Handlungsstrang und eigene Fähigkeiten. 

Schlussendlich gibt es noch unterschiedliche BGM Pakete und eine aufpolierte Grafik. Besonders zweiteres bringt den ehemaligen PS2-Klassiker in die moderne Zeit. 

Zufallskämpfe überall

Wo es leider keine Änderung gab, ist im Bereich des Kampfes. Bewegt sich der Protagonist von A nach B, sieht man am unteren rechten Bildschirmrand einen farbig blinkenden Radar. Diese symbolisiert die Wahrscheinlichkeit, wann ein Kampf eintreten kann. Ist diese bei der grünen Farbe sehr gering, kann man bei der roten sicher sein, dass in Kürze ein Kampf folgen wird. Diese Zufallskämpfe stören den Ablauf des Spiels enorm. Gerade Remasters á la Dragon Quest VIII haben gezeigt, dass man diese Eigenschaft ohne Probleme auch ändern kann.

Startet nun ein Kampf, wird man in eine separate Arena gebracht. Dort laufen die Kämpfe rundenbasiert ab und der Charakter mit höchsten Beweglichkeit startet als erstes. Die eigene Truppe besteht dabei immer aus dem Protagonisten plus drei weitere Dämonen die er rekrutieren bzw. fusionieren (darauf komm ich später zurück) kann. 

Um nun in den Kämpfen bestehen zu können, wäre es fatal einfach auf die Gegner planlos einzuschlagen. Man muss das bekannte Press-Turn Battle System clever verwenden. Dieses Feature besteht darin, dass die Schwächen der Gegner optimal ausgenutzt werden. Denn dadurch bekommt das eigene Team eine zusätzliche Aktion spendiert, wodurch man zu insgesamt acht Aktionen pro Runde kommen kann. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass dieses Feature auch den Feinden zur Verfügung steht. Sollte aber das Gegenteil eintreffen und sein Gegenüber blockt oder absorbiert den Schaden, verliert das Team zwei Aktionen. Da es weit über einhundert verschiedene Dämonen gibt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die Stärken und Schwächen der Gegner auswendig zu lernen, aber es lohnt sich definitiv!

Besonders interessant wird es, wenn man sich gegen die schwersten Gegner im Spiel stellt, die Fiends. Die skelettartigen Gegner weisen eine enorme Stärke auf und ohne richtigem taktieren ist der Tod sicher. Man muss sich dem bekannten “Matador” schon früh im Spiel stellen und dabei kann der Frustmoment ziemlich groß sein, wenn man zu oft den “Game-Over” Bildschirm sieht.

Hat man doch einen Kampf überstanden, winken dem Team Erfahrungspunkte und Macca, die Währung des Spiel. Hat man von Ersterem genug gesammelt, steigt man im Level auf. In Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster kann die Hauptfigur komplett individuell verbessert werden.

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Das Turn-Pass Battle System muss gemeistert werden!

Parasiten für neue Skills!?

Um neue Fähigkeiten lernen zu können, muss unser Halbdämon Parasiten, auch Magatama genannt, in sich aufnehmen. Diese verleihen ihm unterschiedliche Stärken, Schwächen und Fähigkeiten. Steigt er nun in der Stufe auf, besteht eine Chance eine neue Fähigkeit freizuschalten. Insgesamt kann er so zehn Fähigkeiten mit in den Kampf nehmen. Hört sich diese Tatsache zu Beginn noch viel an, wird einem schnell klar werden, dass das nicht viel ist. Hat man nämlich die magische Grenze von zehn erreicht, muss man zukünftig entscheiden welche Fähigkeit man mitnehmen möchte. 

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Die Parasiten verändern die Stats des Protagonisten

Nun kommt eine weitere Schwierigkeit von Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster zu tragen. Habt ihr euch nun entschieden eine Ability zu vergessen und merkt im Nachhinein, dass das ein Fehler war, habt ihr Pech gehabt. Es gibt im Spiel KEINE Möglichkeit diese Fähigkeit wieder zu erlangen. Deswegen ist es enorm wichtig, dass man schon am Anfang weiß wohin man den Protagonisten entwickeln möchte. 

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Im Laufe des Spieles sammelt man einige Magatama an

Verhandlungsgeschick ist an der Tagesordnung

Wie nun schon öfters erwähnt, ist es enorm wichtig eine ausgewogene Gruppe an Dämonen und Ungeheuer zu besitzen. Eine Möglichkeit an die begehrten Kameraden zu kommen, ist mit ihnen zu verhandeln. Da die gierigen Biester genau wissen was sie wert sind, schließen sie einen Pakt nicht umsonst. Dabei wollen sie entweder Macca, Energie, Gegenstände oder Antworten haben. Besonders letzteres ist schwer einzuschätzen, da die Antworten nicht logisch oder schlüssig sind. Im Spielverlauf stellt sich dabei schnell heraus, dass man Antworten einfach ausprobiert und das Ergebnis dann direkt sieht. 

Was das Verhalten der Dämonen zusätzlich beeinflusst, ist das Kagutsuchi. Eine mondähnliche Sphäre, die durch die “Konzeption” am Himmelszelt schwebt. Dabei ist die Sphäre in acht Teile, von “Neumond” über “Halbmond” bis “Vollmond” unterteilt. Da die neu gestaltete Welt und deren Einwohner enorm viel Kraft in Kagutsuchi sehen, reagieren viele davon aggressiv oder apathisch.

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Die Dämonen möchten überzeugt werden

Fusionieren um mächtiger zu werden

Kann man anfangs nur eine geringe Anzahl an Dämonen mitnehmen, bekommt man im Verlauf des Spiels immer mehr Platz um auch Ungeheuer unterwegs mitnehmen zu können. Hat man dennoch zu viele und möchte trotzdem neue Gefährten bekommen, steht einem die Kathedrale der Schatten zur Verfügung. Dort kann man bis zu drei Dämonen fusionieren um stärkere zu bekommen. Dabei ist das Level des Protagonisten wichtig, denn dieses gibt das Levelcap des Ergebnisses vor. Möchte man eine Fusion starten, sieht man im Vorfeld das Ergebnis, sollte dabei das Monster ein zu hohes Level haben, kann man es trotz vorhandenen “Ausgangsmaterial” nicht erschaffen. Auch hat man die Möglichkeit durch spezielle Bedingungen die Fiends zu als Verbündete zu bekommen. Das Dämonenkompendium komplettiert die dunkle Kapelle, denn neben einer Ansicht der erhaltenen Dämonen, kann man auch gegen ein Entgelt jedes ehemalige Ungeheuer neu erschaffen.         

Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
In der Kathedrale der Schatten können neue Dämonen erschaffen werden
Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster
Das Ergebnis der Fusion ist jeder Zeit ersichtlich

Fazit

Ja, ich liebe das Spiel! Shin Megami Tensei III Nocturne HD Remaster macht so vieles richtig was sich ein Japano-Rollenspieler wünscht. Erstens eine spannende Story, die zwar etwas braucht um in die Gänge zu kommen, doch nimmt im Verlauf des Spiels enorm zu. Mit insgesamt sechs unterschiedlichen Enden, kann man mehr als einhundert Stunden in das Spiel abtauchen. 

Zweitens ist das Kampfsystem, obwohl seines alters, nicht langweilig. Kein Kampf gleicht dem anderen und bei den marginalsten Kämpfen muss man darauf acht geben nicht zu sterben. Nur durch das geschickte verwenden des Press-Turn Systems kann man bestehen. Aber dieser Schwierigkeitsgrad wurde mit dem “Gnädig-Modus” sehr entschärft. Dadurch kann nun ein breiteres Publikum Spaß an dem Titel haben. Einzig und allein die nervenden Zufallskämpfe dämpfen die Euphorie.

Last but not least, wird der Sammeldrang in dem Titel mehr als befriedigt. Mit weit mehr als einhundert Dämonen und Ungeheuer, gibt es unendliche Möglichkeiten euer Traumteam zusammenzustellen. Auch können viele Monster sich auch weiterentwickeln, wodurch ein richtiges “Pokémon-Feeling” aufkommt.

Ich bin guter Dinge, dass Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster einen großen Absatz findet. Vielleicht bekommen dadurch weitere Shin Megami Klassiker eine Neuauflage auf die aktuelle Konsolengeneration. Auch ist dieser Ableger die perfekte Vorbereitung für den hoffentlich bald erscheinenden fünften Teil!    

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Shin Megami Tensei III: Nocturne HD Remaster

8.3

Grafik

8.0/10

Sound

8.0/10

Gameplay

8.5/10

Umfang

8.5/10

Spielspaß

8.5/10

Pros

  • Umfangreiche Story mit sechs Endings
  • Zwischensequenzen in japanisch und englisch synchronisiert
  • Bildschirmtexte in deutsch
  • Einführung des "Gnädig" Schwierigkeitsgrades
  • Mehr als einhundert unterschiedliche Dämonen und Ungeheuer

Cons

  • Knüppelharter Schwierigkeitsgrad für manche abschreckend
  • Zufallskämpfe
  • Story braucht Zeit, um in Fahrt zu kommen
  • Zwischensequenzen können nicht übersprungen werden

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